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25.06.2018
15:00

Mehrfache Kontrolle einer unbewohnten Wohnung hinsichtlich möglicher Wasserschäden ist vom Eigentümer nicht zu erwarten

Dichtungsmangel an Heizungs- und Wärmewassergerät ist grundsätzlich für einen erfolgten Wasserschaden ursächlich

Ein Beitrag von Rechtsanwalt Dr. Christian Bock, Tätigkeitsschwerpunkt u.a. im Versicherungsrecht, und von Michael Pauly, studentische Hilfskraft.

Wie häufig bedarf es der Kontrolle einer unbewohnten Wohnung zur Abwendung eines Wasserschadens? Diese Frage beschäftigte Anfang des Jahres den Bundesgerichtshof (BGH).

Die auf Mallorca wohnhafte Klägerin hatte Anfang des Jahres 2011 die Beklagte mit Sanitär- und Heizungsarbeiten beauftragt, welche diese auch im März 2012 ausführte. Im Juni desselben Jahres stellte sich heraus, dass die Wohnung mit einer 1 cm hohen Wasserschicht überschwemmt war. Dies führte zu Schäden an Türrahmen und Wänden.

Entscheidung des Berufungsgerichts

Es sei sehr ungewöhnlich und nicht zu erwarten, dass ein Mangel an der Dichtung des Heizungs- und Warmwassergeräts zu einem solchen Schaden führe, so das Berufungsgericht. Der immense Schaden sei vielmehr darauf zurück zu führen, dass die Eigentümerin ihrer Pflicht zur mehrmaligen wöchentlichen Kontrolle nicht nachgekommen sei. Mithin sei ihr ein überwiegendes Mitverschulden am Schaden zuzurechnen, weswegen ein Schadensersatzanspruch der Klägerin entfiele.

Die Klägerin trug vor, dass die Beklagte für das Abstellen der Wasserzufuhr zuständig gewesen sei. Nach Auffassung des Gerichts konnte die Klägerin ihre Aussagen jedoch nicht hinreichend beweisen, weswegen ihr Vortrag unbeachtet blieb.

Entscheidung des BGH

Der BGH ging davon aus, dass der Wasseraustritt aufgrund einer mangelhaften Werkleistung der beklagten Firma entstand. Hierzu hat das Gericht entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts entschieden, dass ein Dichtungsmangel an einem Heizungs- und Warmwassergerät grundsätzlich einen Wasserschaden in vorliegenden Ausmaß verursachen könne.

Auch zu der Auffassung des Berufungsgerichts, die Klägerin treffe ein überwiegendes Mitverschulden, sodass ein Schadensersatzanspruch entfiele, nahm der BGH Stellung.

Das Gericht befand, dass die Klägerin durch ein mehrmonatiges Fernbleiben von der Wohnung keinesfalls eine Mitschuld am Schaden treffe. Bei dieser Beurteilung sei entscheidend, welche zumutbaren Maßnahmen durch einen vernünftig, wirtschaftlich denkenden Menschen zu erwarten seien. Hierbei sei eine Abwägung des Einzelfalles vorzunehmen, dabei insbesondere auf das „Alter des Anwesens und seiner Versorgungsleitungen, der Aufteilung der Wohnungseinheiten, der Umgebung des Hauses sowie der jeweiligen jahreszeitlichen Witterung“ abzustellen. Das Gericht verneinte die Auffassung des Berufungsgerichtes, in einer unbewohnten Wohnung seien wöchentlich mehrfache Kontrollen vorzunehmen. Dies sei unzumutbar und auch erst gar nicht umsetzbar. Dabei verwies das Gericht auf etwaige Dienstreisen oder Kurzurlaube, bei denen ansonsten schon eine Pflicht zur Kontrolle bestehe. Schon eine einmalige Kontrollpflicht in einem Zeitraum von drei Monaten stellte der BGH in Frage.

Der BGH hat die Rechtssache unter Hinweis auf die gemachten Ausführungen an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Ein Mitverschulden der Klägerin sei nach Auffassungen des BGH, sofern das Berufungsgericht zu der Erkenntnis komme, die Klägerin habe vorwerfbar Kontrollen unterlassen, nur denkbar, sofern sie für das Abstellen der Wasserzufuhr nach Absprache der Parteien zuständig gewesen sei. Gleichzeitig sei auch der Beklagten, sofern das Abstellen der Wasserzufuhr in ihren Aufgabenbereich fiele, ein Berufen auf den Mitverschuldenstatbestand aus § 242 BGB zu untersagen. Wer tatsächlich für das Abstellen der Wasserzufuhr verantwortlich war, bleibt jedoch streitig und wird vom Berufungsgericht zu beurteilen sein.

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