Ein Service von RSW-Beratung

Zur Zeit wird gefiltert nach: lg münster
Filter zurücksetzen

Diebstahl aufgrund fahrlässiger Ermöglichung der Entwendung des Wohnungsschlüssels

Verlust des Versicherungsanspruchs

Ein Beitrag von Rechtsanwalt Dr. Christian Bock, Tätigkeitsschwerpunkt u.a. im Versicherungsrecht, und von Michael Pauly, studentische Hilfskraft.

Das Landgericht Münster hat entschieden, dass der Versicherungsnehmer einen Diebstahl in fahrlässiger Weise mitverursacht, wenn er seinen Wohnungsschlüssel im Korb eines Fahrrads aufbewahrt und dieses für einen kurzen Moment außer Acht lässt. Dies gilt auch, wenn er sich dabei in der Nähe des Fahrrads befindet. Dem Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde:

Eine Frau begab sich um 4.00 Uhr nachts zusammen mit einem Bekannten auf den Rückweg von einer Betriebsfeier. Dabei bewahrte sie ihre Handtasche einschließlich des sich darin befindenden Wohnungsschlüssels in ihrem Fahrradkorb auf. Der Fahrradkorb befand sich auf dem Gepäckträger des Fahrrads. Die Handtasche wurde nach dem Abstellen des Fahrrads entwendet, während sich die beiden Personen in geringem Abstand zum Fahrrad umarmten und küssten. Nachdem sie den Diebstahl der Handtasche bemerkt hatte, übernachtete sie in dieser Nacht bei ihrer Mutter. Erst am nächsten Morgen musste sie feststellen, dass es zum Diebstahl in ihrer Wohnung gekommen war.

Versicherungsbedingungen

Die Frau nahm ihre Versicherung für die entwendeten Gegenstände in Anspruch. Die Versicherung deckte grundsätzlich sogenannte Einbruchsdiebstähle ab. Ein Einbruchsdiebstahl liegt nach den Versicherungsbedingungen u.a. dann vor, wenn sich der Dieb durch einen unberechtigt hergestellten Schlüssel oder sonstiges Werkzeug den Eintritt in die Wohnung verschafft. Ferner liegt ein Einbruchsdiebstahl auch dann vor, wenn sich Zugang zu der Wohnung mit dem richtigen Schlüssel verschafft wird, solange der Versicherungsnehmer den Diebstahl nicht fahrlässig ermöglicht.

Somit ist auch dann ein Einbruchsdiebstahl anzunehmen, wenn sich der Zugang zur Wohnung mittels richtigen Wohnungsschlüssel verschafft werde. Nach Auffassung des Landgerichts Münster ist diese Konstellation sogar als Erweiterung des Versicherungsschutzes anzusehen. Der Einbruch werde typischerweise dadurch gekennzeichnet, dass besondere Schutzmaßnahmen überwunden wurden. Nach allgemeinem Sprachgebrauch handele es sich bei der Verwendung des Hausschlüssels und anschließender Entwendung von Gegenständen aus einer Wohnung nicht um einen Einbruchsdiebstahl.

Fahrlässiges Fehlverhalten

Die Frau habe fahrlässig dazu beigetragen, dass die Handtasche samt Schlüssel entwendet werden konnte, so das Landgericht Münster. Sie habe sich mindestens einen Meter von der Handtasche entfernt und diese für wenige Minuten unbeaufsichtigt gelassen. Für Diebe sei neben Bargeld, gerade sich in der Handtasche befindende Wohnungsschlüssel von besonderem Interesse. Selbstredend setze dies voraus, dass sich der Standort der Wohnung aus den restlichen Unterlagen ergebe. Gerade die Entwendung bei Nacht sei für Diebe aufgrund des geschmälerten Entdeckungsrisikos günstig. Außerdem sei zu bedenken, dass sich der in einer Handtasche befindende Schlüssel leichter entwenden lasse, als beispielsweise bei der Aufbewahrung in einer Jackentasche.

In der Gesamtschau zeige sich also, dass die Frau das Risiko der Entwendung des Wohnungsschlüssels hätte bedenken müssen. Es sei ihr vorzuwerfen, dass sie nicht die gebotene Sorgfalt an den Tag gelegt habe. Der Handtaschendiebstahl sei kein ungewöhnliches Ereignis. Somit habe sie fahrlässig gehandelt. Dieses fahrlässige Verhalten führe dazu, dass kein Anspruch auf die Versicherungsleistung vorliege.

Nach oben

Zurück