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Leistungspflicht einer privaten Unfallversicherung bei betrunkenem Kräftemessen

1,1 ‰ BAK gilt auch im Versicherungsrecht als Grenze für absolutete Fahruntüchtigkeit

Ein Beitrag von Rechtsanwalt Dr. Christian Bock, Fachanwalt für Verkehrsrecht mit einem Tätigkeitsschwerpunkt im Versicherungsrecht, und von Katharina Jule Engler, studentische Hilfskraft.

Eine private Unfallversicherung vereinbart mit ihrem Versicherungsnehmer üblicherweise, dass sie nicht für seinen Schaden einstehen wird, wenn er durch Trunkenheit in einen Unfall verwickelt wurde. In einem tragischen Fall, der vor dem Oberlandesgericht (OLG) Saarbrücken verhandelt wurde, wurde einem leichtsinnigen Versicherungsnehmer nur haarscharf sein Versicherungsschutz gewährt.

Der Versicherungsnehmer und ein Bekannter beschlossen im Januar 2011 im betrunkenen Zustand ein Kräftemessen zu veranstalten. Dafür stellten sie an einer stark abschüssigen Straße zunächst zwei Traktoren mit dem Heck aneinander, verbanden sie mit einem Seil und zogen dann gegeneinander. Der Versicherungsnehmer (und im Fall klagende Partei gegen die Versicherung) „gewann“ diesen Wettbewerb zunächst. Im nächsten Ablauf stellte sich der Bekannte des Klägers mit einem Pkw dem Traktor des Klägers. Der Pkw schaffte es den Traktor zunächst hangabwärts einige Meter zu ziehen, dann hoben jedoch die Räder des Traktors ab und er überschlug sich. Der Kläger wurde herausgeschleudert, erlitt diverse Knochenbrüche und auch massive Kopfverletzungen. Auch nach Notoperationen trug er bleibende Hirnschäden davon. Der Bekannte des Klägers hatte eine Blutalkoholkonzentration (BAK) von 2 ‰, während bei dem Kläger durch Rückrechnung eine BAK von 1,05 ‰ ermittelt wurde. 

Das OLG urteilte entsprechend der Rechtsprechungspraxis, dass eine absolute Fahruntüchtigkeit erst regelmäßig bei einer BAK von 1,1 ‰ angenommen werden kann. Das gelte sowohl für das Strafrecht, als auch für das Versicherungsrecht. Ein alkoholbedingtes Verschulden des Unfalls könne bei einer geringeren Blutalkoholkonzentration nur bei Vorliegen weiteren äußerer Ausfallerscheinungen angenommen werden, die aber von der Versicherung zu beweisen sind. Den Beweis konnte die Versicherung im vorliegenden Fall nicht erbringen. Allein, weil das Kräftemessen mit dem Traktor leichtsinnig war und die Gefahr des Überschlagens – und damit auch die Gefahr erheblicher Verletzungen – auf einer abschüssigen Straße sichtlich bestanden, könne noch nicht auf eine derartige Bewusstseinsstörung durch Alkohol geschlossen werden, dass durch sie der Unfall verursacht wurde. Hätte der Kläger nur 0,05 ‰ BAK mehr gehabt, hätte die Versicherung nicht zahlen müssen. So ist sie den erforderlichen Beweis schuldig geblieben und der Versicherungsnehmer trägt neben seinen bleibenden Schäden nicht noch zusätzlich die immensen Kosten der Heilbehandlung und seiner sonstigen Unterstützungsleistungen.

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Anaphylaktischer Schock durch Nussschokolade

Muss die Unfallversicherung zahlen?

Eine Entscheidung des BGH vom 23. Oktober 2013 (Az. IV ZR 98/12) verdeutlicht einmal mehr den Leistungsumfang von Unfallversicherungen. Dem Urteil liegt ein besonders tragischer Fall zugrunde, in dem ein gegen Nüsse allergisches Kind nach dem Verzehr von Nussschokolade verstorben war. Die Familie hatte für das Kind eine private Unfallversicherung mit Leistung im Todesfall abgeschlossen.

Diese Unfallversicherung verweigerte allerdings die Leistung. Sie müsse schließlich nur nach einem Unfall leisten und der bewusste Verzehr von Schokolade stelle keinen Unfall dar. Falsch, so das Urteil des Bundesgerichtshofs. Ein Unfall liege immer dann vor, wenn eine Verletzung oder wie hier ein Todesfall durch ein von außen auf den Körper wirkendes Ereignis ausgelöst werde. Im Fall einer Allergie sei nicht die Immunreaktion im Körperinneren maßgeblich, sondern das Auftreffen des Allergens -hier der Nussschokolade- von außen auf den Körper. Dieses Auftreffen sei ein Unfallereignis.

Die allergische Reaktion müsse allerdings plötzlich eintreten, damit von einem Unfall gesprochen werden kann. Ein anaphylaktischer Schock zeigt sich unmittelbar nach dem Kontakt mit dem Allergen. Daher kann nach Auffassung des BGH von einem Unfall gesprochen werden. Etwas anderes würde aber wohl gelten, wenn sich erst einige Zeit nach dem Kontakt mit dem Allergen die Folgen zeigen.

Trotz der Einordnung von allergischen Reaktionen als Unfall müssen Versicherer jedoch nicht in jedem Fall leisten. Das hängt damit zusammen, dass Unfallversicherungen in ihren Versicherungsbedingungen eine Ausschlussklausel für Krankheiten haben. Dies liegt in der Natur der Sache: Wenn eine Gesundheitsschädigung durch Krankheit bedingt ist, kann sie nicht mehr Folge eines plötzlichen Unfalls sein. Auch in dem entschiedenen Fall wäre der Verzehr von Nussschokolade ohne das Vorliegen der Allergie folgenlos geblieben. Der BGH hat sich in seiner Entscheidung allerdings nicht pauschal festgelegt, sodass weiterhin Unklarheiten bestehen, ob und inwieweit Unfallversicherer für allergiebedingte Gesundheitsschäden leisten müssen.

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Arztgutachten muss sich eindeutig festlegen

Unfallversicherung muss nicht leisten: Keine Invalidität

Eine private Unfallversicherung dient hauptsächlich dazu, den Versicherungsnehmer gegen das Risiko der Invalidität abzusichern. Dazu ersetzt die Versicherung unfallbedingte dauerhafte Einschränkungen der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit.

Bei einer psychischen Beeinträchtigung ist jedoch zu beachten, dass die Versicherung längst nicht für alle Beeinträchtigungen aufkommt. Dies stellt das OLG Koblenz in einem Beschluss vom 18. Februar 2013 (Az. 10 U 987/12) klar. 

Das Gericht betont, dass eine Invalidität innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall ärztlich festgestellt werden muss. Dazu genügt es nicht, wenn die Ärzte in ihrem Gutachten die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Beeinträchtigung dauerhaft anhalten könnte. Vielmehr müssen sie sich festlegen und eine klare Entscheidung darüber treffen, ob der Unfall die Leistungsfähigkeit des Versicherungsnehmers dauerhaft einschränken wird.

Des Weiteren gilt es zu beachten, dass Unfallversicherungen in der Regel eine Ausschlussklausel für Beeinträchtigungen enthalten, die Folge einer psychischen Reaktion sind. Das bedeutet, dass nur solche psychischen Erkrankungen erfasst werden, die auf dem körperlichen Trauma des Unfalls beruhen. Sie müssen also eine neurologische oder organische Ursache haben. Nicht zur Grundlage einer Invaliditätsleistung können hingegen solche psychischen Störungen werden, die darauf beruhen, dass der Betroffene den Unfall psychisch falsch verarbeitet hat. 

In jedem Fall ist es für Versicherte wichtig, nach einem Unfall innerhalb der Zeitspanne von 15 Monaten ärztlichen Rat bezüglich einer Invalidität einholen. Sie sollten Ihren behandelnden Arzt dabei um ein Gutachten bitten, das Ihre Beeinträchtigungen eindeutig als dauerhaft beschreibt. Sollten Sie dabei Schwierigkeiten haben, helfen wir Ihnen gerne bei der Formulierung von Fragen an Ihren Arzt und im Umgang mit Ihrer Unfallversicherung. 

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